Sie sind hier:

Voller Energie

Damit in Halberstadt nie das Licht ausgeht und die Heizung immer warm bleibt, kümmern sich Juliane Fichtner und Sebastian Mumme bei den Halberstadtwerken um den Energieeinkauf. Der Handel mit Strom und Erdgas ist ihr Geschäft.

Auf ihren Monitoren schlängeln sich rote, blaue und schwarze Linien. Wie und wann die Kurven steigen oder fallen, beobachten sie ganz genau. Den kritischen Blicken von Juliane Fichtner und Sebastian Mumme von den Halberstadtwerken entgeht keine Tendenz – sie kennen die Graphen und die Zahlen, die dahinter stecken. Vor allem aber wissen die beiden, was man darin lesen kann. „Wir prognostizieren den Energiebedarf unserer Kunden langfristig. Am Vortag schätzen wir dann nochmal für jede Stunde des kommenden Tages ab, wie hoch der Energiebedarf sein wird“, erklärt Sebastian Mumme. Wie wird das Wetter? Um welchen Tag in der Woche geht es? Sind gerade Ferien? Das sind nur einige der Fragen, die sich die beiden Mitarbeiter im Energieeinkauf stellen müssen. Neben dem Bedarf der Haushalte spielt auch die Auftragslage der Industriekunden eine wichtige Rolle – Großaufträge müssen berücksichtigt und eingeplant werden. „Die Rücksprache mit den Kundenbetreuern ist sehr wichtig für uns. Allerdings helfen uns ausgefeilte IT-Systeme, den Überblick zu behalten“, erzählt Juliane Fichtner. Die Halberstadtwerke liefern deutschlandweit Strom, etwa wenn Kunden umgezogen sind und die Halberstadtwerke als Stromanbieter behalten möchten. Oder wenn Unternehmen in verschiedenen Teilen Deutschlands Filialen haben. Auch diesen Bedarf beziehen sie in ihre Planung ein.

„Der Bedarf ist aber nur eine der beiden Waagschalen, auch das Angebot an Energie ist entscheidend. Ein Beispiel aus der Stromerzeugung: Bei einer so genannten schwarzen Flaute, also wenn über eine längere Phase hinweg kein Wind weht und keine Sonne scheint, hat das einen erheblichen Einfluss auf die Energiepreise, zu denen wir einkaufen. Aber natürlich auch im umgekehrten Fall“, sagt Dr. Rainer Gerloff, Leiter des Vertriebs und des Energieeinkaufs der Halberstadtwerke. Einen Teil des benötigten Stroms kann das Unternehmen selbst produzieren. „Etwa 30 Gigawattstunden regenerative Energie erzeugen wir pro Jahr mit Hilfe der Blockheizkraftwerke. Das entspricht dem Strom für ca. 12.000 Haushalte, wenn man einen durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 2.500 Kilowattstunden zu Grunde legt“, so Dr. Rainer Gerloff. Ist der Energiebedarf für den kommenden Tag höher, als selbst produziert werden kann, kauft Juliane Fichtner nach den Berechnungen der IT-Systeme über einen Handelspartner an einer Energiebörse Strom. Ihr Kollege Sebastian Mumme ist zuständig für den Einkauf des benötigten Erdgases. Besonders interessant wird es für die beiden, wenn ein Großkunde seine Energie bereits Jahre im Voraus kauft. „Viele Unternehmen brauchen feste Zahlen für ihre Kalkulation oder nutzen den Zeitpunkt, wenn der Preis gerade besonders niedrig ist. Wir kaufen dann für sie zum Beispiel den Strom für 2018“, erzählt die Energiekauffrau. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn die beiden müssen die Marktlage gut einschätzen können und entscheiden, wann sie handeln oder lieber noch etwas Zeit verstreichen lassen. „Wenn man dann zum Tagestiefstpreis gekauft und einen guten Deal gemacht hat, ist man schon ein wenig stolz“, gibt Sebastian Mumme zu.

Der 25-Jährige und seine Kollegin kümmern sich aber nicht nur um den Kauf, sondern prüfen auch die Abrechnungen, die sie von den Handelspartnern erhalten. Diese müssen so genau passen, wie die Vorherbestimmung des Energiebedarfs. „Im Energieeinkauf sind wir stark von der Genauigkeit unserer Prognosen abhängig. Unsere Berechnungsmethode ist sehr ausgefeilt. Es werden pro Jahr fast 35.000 verschiedene Werte betrachtet. Unser Know-how wird auch von anderen Stadtwerken sehr geschätzt. Sie können eine Kooperation mit uns eingehen und erhalten als unser Partner einen Marktzugang“, so der promovierte Physiker, Dr. Rainer Gerloff. Für noch mehr Sicherheit und Planbarkeit werden zusätzlich die Verbrauchswerte des Vortages in die Energie-Prognose einbezogen. Letztendlich wissen Sebastian Mumme und Juliane Fichtner aber nie genau, wie sich der Energiepreis entwickeln wird. „Schon während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, dass mich das Bilanzkreismanagement, in dem ich hier arbeite, besonders interessiert“, erinnert sich Juliane Fichtner. „Und auch nach den ersten fünf Jahren nach Abschluss meiner Ausbildung kann ich sagen, Energiewirtschaft wird nie langweilig.“

Ideengut - Mandy Ebers

Zurück