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Smart in die Zukunft

Smart in die Zukunft

Stromzähler befinden sich in jedem Haus. Jedes Jahr werden sie einmal abgelesen, um die Energieabrechnung zu erstellen. Die analogen Zählwerke haben allerdings einen Nachteil: Der Zählerstand steht nur auf dem Zählwerk. Der Gang in den Keller oder den Hauswirtschaftsraum ist wie vor 100 Jahren immer noch nötig. Das wird sich aber bald ändern.

Die alte Technik der drehenden Stromzähler wird bald der Vergangenheit angehören. Der Bundestag beschloss im Sommer 2016, eine digitale Generation der Stromzähler einzuführen. Im Zuge der Digitalisierung der Energiewende werden größere Energiekunden und auch viele Stromversorger in den nächsten Jahren „intelligente Messeinrichtungen“ erhalten, die aus einem Basiszähler und einer zusätzlichen Datenschnittstelle bestehen.

Statt dem alten Stromzähler hängt dann ein „Smart Meter“ an der Wand. Über Datenschnittstellen, sogenannte Gateways, können Verbrauchsdaten künftig ständig ausgelesen werden. Diese Daten sind deutlich genauer als sie herkömmliche Zähler erfassen können. So wird es möglich, den Stromverbrauch punktgenau zu erkennen und die Versorgung danach effizient auszurichten.

Für den Geschäftsführer der Halberstadtwerke, Dr. Rainer Gerloff, beginnt damit ein neues Zeitalter in der Energieversorgung. Die direkte Erfassung der Verbrauchsdaten wirkt sich seiner Meinung nach auf den gesamten Energiemarkt aus. Neben den Netzbetreibern stehen auch den Stadtwerken die Informationen künftig zur Verfügung. „Ziel ist es, Überproduktionen an Strom mit Versorgungsengpässen besser auszugleichen“, erklärt Rainer Gerloff.

Die neuen digitalen Stromzähler können den Verbrauch nahezu in Echtzeit ermitteln. „Dadurch werden wir unseren Kunden dynamische Tarifmodelle mit zeitlich gestaffelten Stromkosten anbieten“, sagt Gerloff. Damit besteht die Möglichkeit, den Energieverbrauch in Nebenzeiten mit günstigeren Kosten zu verschieben“, offeriert der Geschäftsführer. So ließen sich energieintensive Geräte wie Waschmaschinen bei großem Energieangebot und damit geringen Stromkosten anschalten. Mit einer Waschmaschine ließen sich bis zu 15 Euro sparen, rechnet Rainer Gerloff vor.

Skeptikern, die den Datenschutz in Gefahr sehen, tritt Gerloff entschieden entgegen. Für die Halberstadtwerke habe der Schutz der Kundendaten hohe Priorität. „Die moderne Messtechnik und insbesondere die persönlichen Daten unterliegen strengsten Datenschutzbestimmungen“, unterstreicht der Halberstadtwerke-Chef. Jeder der Betreiber bekomme nur die Informationen, die er für seine Zwecke benötige. Die Datenschutzstandards seien höher als die der EC-Karte.

Eingebaut werden die Wunderzähler aber nicht sofort. Der Gesetzgeber gibt den Energieversorgern bis zum Jahr 2032 noch viel Zeit. 2017 wollen die Halberstadtwerke zunächst rund 300 der neuen Messsysteme in Betrieb nehmen. 2018 steige die Zahl dann auf knapp 3000. Wie auch schon bei den bisherigen analogen Zählern, wird für die digitalen eine Jahresgebühr erhoben. Die werde vom Gesetzgeber vorgegeben und biete den Halberstadtwerken keinen Spielraum. Sie wird nach Auskunft der Halberstadtwerke „aber nur unwesentlich höher sein“.

Die Installation der neuen Zähler erfolgt bis 2032 in mehreren Stufen. Ab 2017 erhalten Stromabnehmer mit einem Jahresverbrauch über 10 000 kWh digitale Zähler. 2020 folgen private Haushalte ab einem Jahresverbrauch von mehr als 6 000 kWh. „Bis 2024 werden 81 Prozent der Messsysteme mit Übertragungskapazitäten und 56 Prozent der Smart Meter in unserem Versorgungsbereich eingebaut sein“, so Rainer Gerloff. „Wir sind für die digitale Energiewende gut aufgestellt.“

Beitrag: Mathias Kasuptke und Uwe Kraus - Martini Halberstadt

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