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Flexibilisierung sichert Energiewende

Die Energiemärkte der Zukunft fordern von Stadtwerken neue Investitionen.

Besonders Betreiber von Blockheizkraftwerken stehen vor der Herausforderung, ihre Systeme gezielt weiterzuentwickeln. Die HALBERSTADTWERKE haben schon heute begonnen, ihre Fernwärmeversorgung mit einem nachhaltigen Anlagenkonzept für morgen fit zu machen. Ihre Lösung: Flexibilisierung. Ein regionales Beispiel gelebter Energiewende.

Seit dem vergangenen Jahr unterziehen die HALBERSTADTWERKE ihre Blockheiz­kraftwerke (BHKW) einer umfangrei­chen Optimierung. Rückblickend betrachtet eine Entscheidung mit Weitsicht. Denn BHKWs arbeiten mit einem äußerst hohen Gesamtwirkungsgrad und unabhängig von Sonne und Wind. Dadurch sind sie in der Lage, bei auftretenden Netzschwankungen, die durch ein zweitweises Über- beziehungsweise Unterangebot dieser regenerativen Energieträger zustande kommen, einen nennenswerten Ausgleich zu liefern. Ursächlich für diese Unterschiede ist der hohe Anteil von Sonnen- und Windenergie im Netz. Aus diesem Grund müssen sich die Betreiber zunehmend Ge­danken über das weitere Nutzungskonzept ihrer Anlagen machen und mögliche Optionen der Optimierung sorgfältig ausloten.

Viele Energieversorger setzen bei ihren BHKW auf eine Gene­ralüberholung, bei gleichzeitigem Zubau von weiteren Erzeugungsleistungen (zusätzliches Blockheizkraftwerk). Dieses Modell wird häufig auch als „Flexibilisierung“, als bedarfsorientierte Stromproduktion, bezeichnet.

„Wir müssen es schaffen, Schwankungen in der Energieerzeugung steuerbar abfedern zu können. Damit garantieren wir Versorgungs­sicherheit. Es bedarf dafür zu­verlässiger Alter­nativen z.B. zur Stromgewinnung aus Sonne und Wind. Um die Energiewende zu meistern, ist unter anderem Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen so eine sinnvolle Ergänzung“, erklärt Andreas Zierau, zuständiger Projektleiter und Fachbereichsleiter Fernwärme und Automatisierung der HALBERSTADTWERKE.

Die HALBERSTADTWERKE nutzen bei den Um­baumaßnahmen an ihren BHKW die Fördergrundsätze (sog. Flex-Prämie) aus der aktuellen Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Im Rahmen der Modernisierung wurde 2017 im Heizwerk Nord ein neues BHKW errichtet. Dieses läuft nun gemäß den Bestimmungen des Kraft-Wärme-Kopplungs-gesetzes. Das bisherige BHKW dort wurde kürzlich gene­ralüberholt und soll in diesem Jahr im Heizwerk Ost neu aufgebaut werden. Die not­wendige Peripherie (Fundament, Steuer- und Regelungstechnik sowie Schornstein) hierfür muss an dieser Stelle angepasst werden. Ungefähr sechs Monate Bauzeit sind dafür eingeplant.

Damit kann das Gesamtsystem der HALBERSTADTWERKE künftig mit zwei BHKWs effektiver betrieben werden. Statt bisher 7100 Betriebs­stunden kann in Zukunft das maximale Lauf­zeitpotenzial von 8760 Betriebsstunden in Summe aus­geschöpft werden. Zudem können Strom und Wärme marktgerechter ins Netz eingespeist wer­den. Die überarbeitete Anlage produziert dann im Bedarfsfall jeweils rund zwei Megawatt mehr thermische und elektrische Energie als noch vor dem Umbau.

„Durch die erfolgte Anlagenoptimierung stellen wir uns als zukunftsfähiges Unternehmen noch breiter auf. Denn wir haben die Möglichkeit, Strom und Wärme bedarfsorientiert, rund um die Uhr und wetterunabhängig zu erzeugen“, stellt Andreas Zierau heraus.

Im Jahr 2011 errichteten die HALBERSTADTWERKE ihre eigene Biogasanlage. Auch hier untersuchen sie die Möglichkeit einer Optimierung und Flexibilisierung des Systems.

Bislang profitieren circa 200 Hausanschlüs­se von den Vorzügen der Fernwärme. Die HALBERSTADTWERKE wollen auch in Zukunft in die Erneuerung und Erweiterung der zugehörigen Infrastruktur investieren. „Mit jeder die­ser Aufwendungen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz in der Stadt Halberstadt“, sagt Andreas Zierau. Fernwärme ist und bleibt ein bedeutender Faktor, mit dem das Unternehmen zudem die Klimaschutzprogramme des Landes Sachsen-Anhalt und des Bundes unterstützt.

 

Beitrag: Sebastian Hübner - Pressesprecher HALBERSTADTWERKE

Foto: Norman Groß - Groß Design

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