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Arbeitswelt in Frankreich erkundet

Justin Johannsen mit seiner Gastfamilie im französichen Lucé

 

Als eine „Riesenerfahrung“ bezeichnet Justin Johannsen seine Teilnahme an einem Austauschprogramm mit Frankreich. Der 18-Jährige war einer von zehn Jugendlichen, die im Ausland Arbeitsalltag kennenlernten.

Es war Zufall, und Justin Johannsen ist froh, die Gelegenheit beim Schopf gepackt zu haben. „Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich das Angebot annehmen sollte“, berichtet der Groß-Quenstedter. Im Nachherein aber sei es eine „Riesenerfahrung gewesen, im Ausland zu arbeiten.“

Justin Johannsen ist Auszubildender im dritten Lehrjahr bei den Halberstadtwerken, er wird Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. Das ist kein reiner Handwerksberuf, weshalb er zunächst in seiner Berufsschule nicht gefragt wurde, ob er an einem Austauschprogramm mit Frankreich teilnehmen wolle. „Aber es waren ein paar Schüler abgesprungen, und so haben wir erfahren, dass man mitmachen könne“, berichtet der junge Mann. „Abends hat mich mein Meister gefragt, ich hatte zwölf Stunden Zeit, mich zu entscheiden. Meine Familie hat mich sehr bestärkt, das Angebot zu nutzen.“

Die Berufsbildenden Schulen „Otto von Guericke“ in Magdeburg pfl egen seit Jahren eine Partnerschaft mit dem Internat Lycée Professionnel „Philibert de L‘Orme“ im französischen Lucé. Beide Bildungseinrichtungen beteiligen sich an einem Austauschprogramm des Deutsch-Französischen Sekretariats in der beruflichen Bildung.

Zehn Jugendliche nutzten vor dem Jahreswechsel die Cance, für drei Wochen Auslandserfahrung zu sammeln. Dabei geht es in der ersten Woche vor allem darum, Sprachkenntnis zu erwerben. „Ich hatte kein Französisch in der Schule, und an den vorbereitenden Kursen im Sommer, als die Franzosen bei uns waren, war ich ja nicht mit dabei“, sagt Justin Johannsen. Aber er stellte sich der Herausforderung, im Tandem-Unterricht zumindest Grundbegriff e für die Arbeit und den Alltag zu lernen. „Das war schwer in nur einer Woche, aber es hat geklappt, und mit meinem Chef habe ich mich auch auf Englisch verständigt, wenn ich nicht weiterkam.“

Eine Woche lang lernte Justin gemeinsam mit einem Franzosen. Er Französisch, sein Mitschüler Deutsch, unterstützt wurden sie dabei von einem Lehrer, der die Hälfte der Zeit in gewohnter Form unterrichtete, die andere Zeit vermittelten sich die Jugendlich gegenseitig ihre Sprache. Am Nachmittag stand meist die Besichtigung einer Sehenswürdigkeit auf dem Programm – nach einem Besuch der berufsschuleigenen Werkstätten von Lucé waren das der Dom von Chartres samt Besuch einer Glasmanufaktur, in der die Deutschen ein kleines Bleiglasfenster gestalteten. Auch Schloss und Schlossgarten von Chartres, eines früheren Wohnsitzes französischer Könige, war Ausflugsziel. Am Wochenende ging es nach Paris und es musste Wäsche gewaschen werden und ähnliches.

Die zwei anderen Wochen arbeiteten die deutschen Jugendlichen in Partnerbetrieben der Berufsschule von Lucé. Justin war bei einem Heizungsbauer tätig, „Ein Ein-Mann-Betrieb, deshalb durfte ich auch gleich mitarbeiten.“ In Frankreich sind Lehrlinge fast nur in den Werkstätten der Berufsschule praktisch tätig, anders als in Deutschland, wo parallel in den Ausbildungsbetrieben Praxiskenntnis erworben wird. „Es war spannend zu sehen, dass in Frankreich tatsächlich manches anders gemacht wird als bei uns, die haben zum Teil andere Verfahren.“ Justin baute Heizungen aus und ein, hat viel gelernt. „In meinem Beruf verlegen wir ja nur bis ans Haus. Da war es toll, mal auf der anderen Seite die Arbeit zu machen. Ich hätte noch ein paar Wochen dranhängen können“, sagt Justin Johannsen. Zumal er auch Familienalltag erlebte, denn zum Mittagessen war der junge Deutsche immer in der Familie seines Chefs mit dabei. „Ich hab mich nicht als Fremder gefühlt, alle waren sehr off en und freundlich.“

Beitrag: Sabine Scholz - Volksstimme Harz

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